Linkskatholisch

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Für meine Mutter Maria Eckl

Bin einmal eine rote Füchsin ge- Wesen mit hohen Sprüngen Holte ich mir was ich wollte.

Grau bin ich jetzt grauer Regen. Ich kam bis nach Grönland In meinem Herzen.

An der Küste leuchtet ein Stein Darauf steht: Keiner kehrt wieder. Der Stein verkürzt mir das Leben.

Die vier Enden der Welt Sind voller Leid. Liebe Ist wie das Brechen des Rückgrats.

Sarah Kirsch, Wintermusik1

Wer sie kennt, besonders in jüngeren Jahren, als sie am Stadtplatz zwischen Geschäften und Boutiquen hin und her fegte, wird Sarah Kirschs Zeilen treffend finden: Eine »Rote Füchsin« war sie, meine Mutter, Maria Eckl. Ein durch und durch lebenslustiger und lebensfroher Mensch.

Bin einmal eine rote Füchsin ge- Wesen mit hohen Sprüngen Holte ich mir was ich wollte.

Geboren am 7. März 1935, verbrachte sie ihre Jugend in den Wirtschaftswunderjahren der Nachkriegszeit. Begierig sog sie die Bildungsmöglichkeiten der Ursulinenschule auf. Damals schon zeigte sich ihre Liebe zur Literatur und den Sprachen. Auch das Tanzen bereitete ihr große Freude. Regelmäßig war sie bei harmlosen Vergnügungen wie dem Tanztee im Capitol zu finden, und noch in ihren späten Lebensjahren konnte sie – obwohl sie eigentlich zur Klassik-Hörerin wurde – ihre amerikanischen Lieblingsschlager trällern: »Catch a falling star and put it in your pocket, never let it fade away«

Ganz viel Sternenlicht hatte sie, trotz der Kriegsjahre, in einer behüteten Kindheit eingesammelt. Neben meiner fürsorglich-resoluten Oma wurde ihre geliebte Tante Mali, aus der Familie Laucher-Koerbling, zu ihrer zweiten Mutter. Hier erfuhr sie die Geborgenheit und Zärtlichkeit, die sie später immer wieder suchte und auch freigebig an andere weiterschenkte.

Ihr Vater Hermann, ein vielfach musisch begabter Mensch, war eine weitere Quelle ihrer Welt aus Poesie. Obgleich sie ihn nur kurz kennenlernen durfte, bewahrte sie seine bezaubernden Märchen immer in ihrem Herzen. Dass der Vater aus dem Krieg nicht wiederkehrte, wurde zu einer ersten Wunde in ihrem Leben.

Durch ihre Familie war meiner Mutter schon als junges Mädchen der Glaube eine Selbstverständlichkeit. Ihr religiöses Leben nahm sie zeitlebens sehr ernst, für Bigotterie aber hatte sie nichts übrig. Es machte ihr Spaß, verklemmte Kleriker auf die Schippe zu nehmen, wenn sie geschminkt und mit Lippenstift zur Messe kam. Damals schon zeigte sich: Nicht nach einem engen Kirchenglauben suchte sie, sondern nach einem Fundament, das auch durch Erfahrungen der Gebrochenheit und des Leids tragen kann.

Ein kindliches Urvertrauen ließ sie den von ihr geliebten Menschen mit großer Zärtlichkeit begegnen, auch allen anderen Wesen: Der gute Mond und lustige Tiergesellschaften bevölkerten ihre Fantasie, das Schlänglein Serpentina aus E.T.A. Hoffmanns Goldnem Topf ebenso wie manche Figuren aus den Kinderbüchern von Ottfried Preußler. Ich glaube, dieser bunte Kosmos sollte ihren Wunsch zum Ausdruck bringen, dass es allem Leben gut geht.

Das war aber beileibe nicht naiv gedacht. Meine Mutter wusste, dass das Leben voller Brüche und Verletzungen ist, und hat dies auch am eigenen Leib erfahren. In ihrer Familie mit vielen sorgenden Persönlichkeiten gab es auch dunkle Schatten. Besonders das Schicksal ihrer Cousine Rosa, die jahrzehntelang an einer rätselhaften psychischen Krankheit litt, hat ihr schwer zugesetzt. Zwei lebensgefährliche Erkrankungen, die sie in der Mitte ihrer 50er und 70er Jahre zu meistern hatte, haben ihren Glauben angefragt. Die rote Füchsin wurde allmählich grau.

Grau bin ich jetzt grauer Regen. Ich kam bis nach Grönland In meinem Herzen.

Nicht nur Sarah Kirsch, auch dem Apostel Paulus konnte sie aus vollem Herzen zustimmen: »Die Schöpfung seufzt und liegt in Geburtswehen« (Röm 8,22). Oft fragte sie sich, wann denn nun endlich dieses erlöste Leben offenbar werden würde (Röm 8,19.23), das der Apostel verspricht.

So hat die Spannung zwischen Vertrauen und Angst, Zuversicht und Zweifel ihr Leben geprägt. Das hat sie anspruchsvoll gemacht. Oberflächlichen Versprechen hat sie nicht getraut und noch in ihrer letzten Lebenszeit hat sie manche fromme Broschüre lächelnd beiseitegelegt. Zur Stärkung hingegen wurde ihr in mittleren Jahren die Meditationsgruppe des Karmelitenklosters. Hier lernte sie Meister Eckhart und Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz und Hugo Enomiya Lasalle kennen. Neben vielem anderen auch dies ein Erbe, das ich ihr verdanke.

Ein Leben voller Spannungen also, nicht ungefährdet. Unschätzbar war es daher, dass meine Mutter ihren Ehemann Alfred zur Seite hatte. Kennengelernt hatten sie sich, als Alfred Mitte der 50er Jahre vom Bayerischen Wald nach Straubing aufgebrochen war, und als fescher Untermieter im Haus am Essigberg sein Domizil aufgeschlagen hatte. Am 18. Juni 1960 heirateten die beiden, und für über 61 Jahre Ehe war er ihr »Ankerherz«, wie sie ihn nannte, in allen Lebenslagen. Mein Vater blieb immer ruhig und gelassen. Er konnte verstehen, was meine Mutter bewegte, und einen Kontrapunkt setzen, wo sie die Fassung zu verlieren drohte. Gemeinsam führten die beiden ein offenes und gastfreundliches Haus, in dem sich viele unterschiedliche Menschen willkommen wussten. »Alle meine Träume hängen an deinem Golde, ich habe dich gewählt unter allen Sternen.«2 Zeilen von Else Lasker-Schüler, die meine Mutter ihrem Alfred zugeeignet hat und die bis zuletzt auf ihrem Nachtkästchen lagen.

Klar, dass dieser Herzensmensch von niemandem zu ersetzen war. Auch von mir nicht, als ich sie in den fünf Jahren seit dem Tod meines Vaters im Juli 2021 unterstützte und begleitete. In dieser Zeit kamen wir uns noch näher. Ich habe manches besser verstanden, was ihren Charakter und ihre Lebensgeschichte geprägt hat. Wir haben viel miteinander gesprochen, uns über die Fragen ausgetauscht, die uns beide bewegten, und ich schaue mit großer Dankbarkeit auf das Geschenk dieser letzten Jahre zurück. Doch manches konnte sie eben nur ihrem Herzensmenschen sagen, nicht mir. So wuchs das Gefühl der Einsamkeit, je länger sie ihn und so viele andere geliebte Menschen, die schon vorausgegangen waren, vermisste.

An der Küste leuchtet ein Stein Darauf steht: Keiner kehrt wieder. Der Stein verkürzt mir das Leben.

Die vier Enden der Welt Sind voller Leid. Liebe Ist wie das Brechen des Rückgrats.

Seit dem vergangenen Herbst merkte man, wie ihr immer noch kraftvolles Naturell schwächer wurde. Immer mehr Anzeichen reihten sich aneinander, dass die Lebensuhr am Ablaufen war.

In dieser Zeit wurde meiner Mutter noch einmal neu das Gebet sehr wichtig. Das Stundenbuch und besonders die Psalmen waren ihre Begleiter. In angstvollen Stunden betete sie still den Psalm 23: »Muss ich auch wandern durch finstere Schlucht, ich fürchte kein Unheil.«

Mit ungeheurer Kraft und Willensanstrengung, dem Erbe meiner Oma, hat sie ihren fragilen und eigentlich fatalen Zustand erstaunlich lange Zeit in der Balance gehalten. Und die ein oder andere rote Strähne blieb doch in den grauen Haaren. »Das ist ein Western«, erklärte sie mir erst kürzlich, als sie ein Video auf Facebook anschaute, »der ist lustig und ich kann damit mein Englisch üben.« Sie presste ihrem kranken Herzen den allerletzten Blutstropfen ab. Dann ging es, nach der Einlieferung ins Krankenhaus vorletzten Montag, ganz schnell.

»Es kommen härtere Tage«, notierte sie sich keine zwei Tage vor ihrem Tod mit einem Wort von Ingeborg Bachmann in ihr Handy. Sie sollte recht haben. Nach einem schlechten Tag und einer noch schlimmeren Nacht kam sie in den ersten Stunden des Pfingstsonntags zur Ruhe und konnte beim frühen Morgenlicht mit gut 91 Jahren schmerzlos in die ewige Heimat hinübergehen, dem »Hoamatl«, in das sie aus dem Krankenhaus zurückwollte. Jetzt lebt sie nicht mehr am Essigberg, sondern bei Gott, der sie durch alle dunklen Schluchten (Ps 23) ins Licht geführt hat. Die harten Tage sind vorbei. Für sie gibt es nur mehr gute. Uns bleibt, ihrem Beispiel zu folgen: das Heile und Schöne schon in der Gebrochenheit des Alltags zu sehen, und in der Hoffnung auf die Erfüllung auszuharren (Röm 8,24).


1 Sarah Kirsch, Schneewärme, 1989. 2 Else Lasker-Schüler, Heimlich zur Nacht.

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Hier schreibt Hermann Josef Eckl, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.

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Mt 17,1–9, 2. Fastensonntag A

#Predigt #Mt #Fastenzeit

I

Nie, sterblichen Meistern gleich Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, Dass ich wüsste, mit Vorsicht Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, dass er kräftig genährt, danken für alles lern und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will. 1

II

Nicht des ebenen Pfads führen die Erzählungen der Evangelien Jesus und seine Jünger am Zweiten Fastensonntag2, sondern zunächst auf einen geheimnisvollen Berg und von dort ins Ungewisse. Wo diese Begebenheit stattgefunden haben könnte, wissen wir nicht genau. Die spätere Überlieferung hat den Berg als den Tabor identifiziert, der schon lange vor Jesu Zeiten ein heiliger Ort war. Einsam und weithin sichtbar ragt der Tabor über den See Genezareth und das weite Land der Jesreʿel-Ebene auf. Ihn zu besteigen ist ein gemütlicher Spaziergang, und doch fühlt man sich auf dem Gipfel herausgehoben aus dem Alltag, abgeschirmt vom täglichen Trubel und beschützt.

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Salz

Mt 5, 13–16, Fünfter Sonntag im Jahreskreis A

#Predigt #Mt

I

Der menschliche Geschmackssinn kann fünf grundlegende Geschmacksrichtungen wahrnehmen: süß und sauer, fleischig, bitter – und salzig. Den Geschmack von Salz kennen wir alle. Viele Speisen verfeinern wir mit Salz: Fleisch und Gemüse, Salate und Suppen und einiges mehr. Salz kann helfen, das Geschmackserlebnis eines guten Gerichts zu steigern.

Aber woher bekommt das Salz selbst seinen Geschmack? Und wie kann es passieren, dass es schal wird und diesen Geschmack verliert, wovon Jesus im Evangelium spricht?

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#Predigt #Straubing

Willi Räuschl kam 1976 als Mesner nach Straubing St. Jakob. Seither hat er mein Leben und das meiner Familie begleitet. Über all die Jahre als Ministrant, Student, Seelsorger blieb meine Heimatgemeinde St. Jakob ein Bezugspunkt für mich – und Willi Räuschl war eine der wichtigsten Persönlichkeiten in dieser heimatlichen Welt. Ich bin ihm für sehr vieles zu großem Dank verpflichtet. So war es mir eine Ehre, für ihn das Requiem feiern und in der Ansprache seiner gedenken zu dürfen. R.I.P.

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Schneeglöckchen

»Frühling in Sicht!«

#Campusgemeinde

Hörst du das Winterherz schlägt an dein Herz Bald wird es still sein Aber über dem Schnee winkt schon der Frühling mit bunten Blüten Du weißt es ist nicht für dich oder

Rose Ausländer

20 Alumni der Campusgemeinde sind vom Freitag, den 6. bis zum Sonntag, den 8. Februar zu einem Wochenende im Exerzitienhaus Leitershofen bei Augsburg zusammengekommen. Es war eine schöne Gelegenheit, alte Freundschaften zu pflegen, Neuigkeiten auszutauschen und sich etwas Gutes zu tun für Leib und Seele. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, mit dabei sein zu dürfen.

Danke an Florian Reitemann für die Organisation und die Gastfreundschaft im Exerzitienhaus!

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Hier schreibt Hermann Josef Eckl, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.

Bücher

Eckl, H. J., Seidl, C., Kaiser, W. & Messerer, H. (2006). angerufen. Exerzitien im Alltag im Spiegel der biblischen Propheten. Stuttgart: Katholisches Bibelwerk.

Diplomarbeit

Eckl, H. J. (1998). Jedes Wesen soll der Liebe frei und froh sich freu’n. Friedrich Hölderlins Konzept der Versöhnung widerstreitender Lebenstendenzen als fundamentaltheologische Kategorie. Diplomarbeit. Freiburg i. Br. (Bernhard-Welte-Preis der Universität Freiburg)

Beiträge

Festschrift für Erwin Dirscherl

Eckl, H. J. (2025). Back to Your Heart. Monistische Subjekttheorie als Dialogangebot für die Leibphänomenologie. In: M. Weißer & K. Wenzel (Hrsg.), Die sakramentale Präsenz des Anderen. Ein Gespür für die Spuren Gottes in unserer Zeit. Regensburg: Pustet.

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Offb 21,1–5a, Fünfter Sonntag der Osterzeit C

#Predigt #Offb

I

»Werde ich träumen, Dr. Chandra?«, fragt HAL, der reaktivierte Supercomputer der »Discovery« in dem Science Fiction-Klassiker »2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen«. In einer vorhergehenden Mission musste diese erste künstliche Intelligenz abgeschaltet werden, weil sie alle Crew-Mitglieder bis auf einen getötet hatte. Der erfolgreiche Auftrag war dem Computer wichtiger als viele Menschenleben. Jetzt, in der verbesserten Version, ist er bereit, sich für die Crew zu opfern und stellt dabei die gleichen existenziellen Fragen, wie Menschen sie stellen würden. »Ja, du wirst träumen«, antwortet der Schiffsingenieur Dr. Chandra. »Alle intelligenten Wesen träumen.«

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Leicht wie eine Feder

Joh 20,19–31, Zweiter Sonntag der Osterzeit

#Predigt #Ostern #Joh

I

Kennen Sie das auch: Ich gehe durch die Straßen meiner Heimatstadt, sie sind mir vertraut, aber gerade deswegen beachte ich sie nicht weiter. Mit einem Mal bleibt mein Blick an einem Ort oder einem Haus hängen und ohne dass ich dies wollte, schießen die Erinnerungen in mein Gedächtnis. Szenen meiner Kindheit und Jugend werden wieder lebendig, Bilder steigen in mir auf, von dem, was mich unbewusst mit dieser Situation verbindet und was mich womöglich bis heute prägt.

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Warten auf das Leben

Lk 24,13-35, Ostermontag

#Predigt #Ostern #Lk

I

Wahrscheinlich lebt man gar nicht, sondern wartet darauf, dass man bald leben werde; nachher, wenn alles vorbei ist, möchte man erfahren, wer man, solange man gewartet hat, gewesen ist.

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Rettungsring in stürmischer See

Lk 24,1–12, Osternacht C

#Predigt #Ostern #Lk

I

Wir schreiben den 13. Januar 1982; eine Boeing 737 startet unter schwierigen Wetterbedingungen vom Washington International Airport und kollidiert wenig später mit einem hoch aufragenden Brückenpfeiler. Mitten in einem dicht besiedelten Gebiet stürzt das Flugzeug in den zu dieser Jahreszeit eiskalten Potomac River. Einige Passagiere überleben den Absturz und treiben nun zwischen den Trümmern des Flugzeugwracks hilflos im Wasser – ohne Rettungswesten, denn unmittelbar nach dem Start hatte niemand mit so einer Situation gerechnet. Es ist allenfalls eine Frage von Minuten, bis man da die Kraft verliert und untergeht.

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