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    <title>mt &amp;mdash; Linkskatholisch</title>
    <link>https://linkskatholisch.de/tag:mt</link>
    <description>«linkskatholisch«</description>
    <pubDate>Wed, 06 May 2026 15:04:48 +0200</pubDate>
    <item>
      <title>Aufbrechen, wohin ich will</title>
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      <description>&lt;![CDATA[image&#xA;&#xA;Mt 17,1–9, 2\. Fastensonntag A&#xA;&#xA;#Predigt #Mt #Fastenzeit&#xA;&#xA;I&#xA;&#xA;  Nie, sterblichen Meistern gleich&#xA;Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,&#xA;Dass ich wüsste, mit Vorsicht&#xA;Mich des ebenen Pfads geführt.&#xA;&#xA;  Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,&#xA;dass er kräftig genährt, danken für alles lern&#xA;und verstehe die Freiheit,&#xA;aufzubrechen, wohin er will. supspan id=&#34;Verweis1&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​1/span/sup&#xA;&#xA;II&#xA;&#xA;Nicht des ebenen Pfads führen die Erzählungen der Evangelien Jesus und seine Jünger am Zweiten Fastensonntagsupspan id=&#34;Verweis2&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​2/span/sup, sondern zunächst auf einen geheimnisvollen Berg und von dort ins Ungewisse. Wo diese Begebenheit stattgefunden haben könnte, wissen wir nicht genau. Die spätere Überlieferung hat den Berg als den Tabor identifiziert, der schon lange vor Jesu Zeiten ein heiliger Ort war. Einsam und weithin sichtbar ragt der Tabor über den See Genezareth und das weite Land der Jesreʿel-Ebene auf. Ihn zu besteigen ist ein gemütlicher Spaziergang, und doch fühlt man sich auf dem Gipfel herausgehoben aus dem Alltag, abgeschirmt vom täglichen Trubel und beschützt.&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Der Erzähler des Matthäus-Evangeliums hat diese Szene bewusst komponiert, als Zwischenetappe auf dem Weg Jesu nach Jerusalem. In der Rückschau wusste man, dass ihn dort sein Prozess und die Hinrichtung erwarten würden. Das Evangelium spricht davon in Andeutungen, die die Jünger nicht verstehen. Kurz vorher schon haben sie geradezu wütend reagiert, als Jesus sein Schicksal angedeutet hat (Mt 16,22-23).&#xA;&#xA;Wir sind jetzt in den Wochen der Fastenzeit mit Jesus unterwegs. Wir gehen mit ihm auf den Karfreitag und auf Ostern zu. Vielleicht haben wir dieselben Fragen wie die Jünger damals: War es unausweichlich, dass Jesus auf den Tod zugeht? Hätte er nicht einfach auch Erfolg haben können mit seiner Botschaft eines bedingungslos liebenden und erbarmenden Gottes? So haben es sich seine Anhänger erträumt und in Jerusalem erwartet. Die bittere Enttäuschung darüber sollte noch Jahrzehnte nach Jesu Tod nachwirken, bis die ersten christlichen Gemeinden tastend zu Deutungen des Geschehens fanden.&#xA;&#xA;Und Jesus selbst? Hat er diesen Tod gesucht? War er notwendig als Teil seiner Mission? Schon in den frühen Deutungsversuchen klingt das Motiv an: Jesus wäre gestorben wegen unserer Sünden oder für unsere Sünden. Später, in der mittelalterlichen Theologiesupspan id=&#34;Verweis3&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​3/span/sup, wurde diese Deutung zugespitzt. Jesus wäre gestorben, um die Ehre eines durch die menschlichen Sünden beleidigten Gottes wiederherzustellen, und hätte durch seinen Tod Satisfaktion geleistet. Eine Genugtuung, die – weil es ja Gott war, der beleidigt wurde – nur durch Gott selbst geleistet werden konnte. So wurde die gesamte Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazaret unter das Zeichen eines vorprogrammierten Todes gestellt.&#xA;&#xA;Diese Vorstellung hat unendlich viel Unheil angerichtet und unzählige Menschen von Gott und dem christlichen Glauben entfremdet. Nietzsche hat von einem »ehrsüchtigen Orientalen im Himmel« gesprochensupspan id=&#34;Verweis4&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​4/span/sup, der aus nichtigen Gründen ein grausames Opfer verlangt. Nimmt man zu diesem Bild von Gott ein Menschenbild hinzu, das den Menschen ausschließlich als unheilbaren Sünder sieht, dann ergibt sich daraus eine wahrhaft toxische Mischung. In den Händen der Mächtigen wurde sie zum Werkzeug, um Menschen moralisch unter Druck zu setzen: »Um deiner Sünden willen musste Jesus sterben, weil du so verdorben bist.  Darum hast du all deinen natürlichen Lebensregungen zu misstrauen: deiner Sehnsucht nach Glück, deiner Freude am Genuss, deinem Verlangen nach Zuneigung und Liebe. Das alles ist böse und wird erst dann wieder gut, wenn Jesus am Kreuz dafür Sühne geleistet hat.«&#xA;&#xA;Nicht ohne Grund haben Religionskritiker wie Nietzsche und Freud diesen Glauben als krankmachend eingeschätzt. »Freut euch, wenn euer Gott freundlicher war«, schrieb der 2024 verstorbene Psychoanalytiker Tilmann Mosersupspan id=&#34;Verweis5&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​5/span/sup. Ganz aktuell hat der Exeget Peter Trummer in einem Beitrag der Zeitschrift »Christ in der Gegenwart« und weiter ausgearbeitet in einem Buchsupspan id=&#34;Verweis6&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​6/span/sup diese Form von Theologie attackiert und vorgeschlagen, wir sollten am besten gleich ganz auf den Gedanken eines Gottmenschen Jesus Christus verzichten, der für uns Menschen hätte leiden müssen. Jesus habe so etwas nie gewollt.&#xA;&#xA;III&#xA;&#xA;Ist es also eine Erfindung, dass der Evangelist die herrliche, lichterfüllte Begebenheit am Tabor unter den Schatten des bevorstehenden Todes Jesu stellt? Denn genau das meint der geheimnisvolle Schlusssatz, erst nach der Auferstehung und damit auch dem Kreuz, dürfe von alldem berichtet werden.&#xA;&#xA;Jesus hat das Leben ganz sicher leidenschaftlich geliebt. Das zeigt sich in seiner Zuwendung zu den Armen, Kranken, Notleidenden und Entrechteten. Das zeigt sich auch in Jesu Freude am gemeinsamen Essen und Feiern. Und an der Zärtlichkeit, mit der er die unscheinbarsten Dinge wertgeschätzt hat: die Lilien und die Spatzen auf den Feldern. Nirgendwo ist davon die Rede, dass der Gott, für den Jesus so unermüdlich Zeugnis abgelegt hat, für sein Erbarmen und seine Zuneigung eine Gegenleistung verlangen würde. Im Gegenteil: Der Gott Jesu Christi liebt bedingungslos und unterschiedslos.&#xA;&#xA;Warum also geht der Abstieg vom Tabor in den Tod hinein? Es wäre ein allzu harmloses Bild von Jesus und seiner Botschaft, wenn wir ihn zu einem naiven Charismatiker machen würden, der das Schwere, das uns in unserem Leben begegnet, Schmerz und Krankheit, Hass und Gewalt, und vieles zweifellos Böse, was sich im Menschenherzen findet, einfach weglächeln würde. »Alles ist gut und Gott ist ganz ungeheuer nett.«  Die so von Gott sprechen, hat der Grazer Philosoph Peter Strasser zurecht »Seligkeitsidioten«supspan id=&#34;Verweis7&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​7/span/sup genannt.&#xA;&#xA;Jesus war gekommen, um von dem liebenden Gott zu sprechen, aber auch, um dem Bösen, für das er einen sehr realistischen Blick hatte, etwas entgegenzusetzen. Jesus reiht sich ein in die Machtkritik der Propheten des Ersten Testaments. Er weiß um den Willen zur Macht eines Herodes, der alles totmachen möchte, was sich seiner Herrschaft entgegenstellt, er weiß um den Fanatismus derer, die – am liebsten mit ihm als Anführer – als Gotteskrieger die Römer vertreiben wollen, er weiß um die sozialen Gegensätze, die von der Spitze der Gesellschaft bis in den Alltag der kleinen Leute hineinwirken, er weiß um die Kaltherzigkeit, mit der gerade jene, die eigentlich selbst auf Barmherzigkeit angewiesen sind, anderen das Leben neiden. Und er weiß um die Heuchelei der frommen Funktionäre, die damals wie heute mit vermeintlich göttlichen Geboten andere schikanieren.&#xA;&#xA;Und ebensowenig, wie er sich davon abbringen lässt, von Gottes Güte zu sprechen, hält Jesus den Mund, wenn es darum geht, diese Missstände zu benennen. Jesus ist sich dessen klar bewusst, dass er damit sein Leben riskiert. Mit beidem, mit seiner Gottesrede und seiner Machtkritik, bringt er die Großen und die Frommen zur Raserei. Wenn nämlich gilt, was Jesus sagt, und wenn die Menschen ihm glauben, dann untergräbt das jede Herrschaft von Menschen über Menschen. Der Weg Jesu nach Jerusalem hin zu Verurteilung und Tod war also kein blöder Zufall. Jesus hat seine Botschaft und sein Handeln bewusst auf die Spitze getrieben, weil er zeigen wollte, dass der Gott, dem er so bedingungslos vertraute, auch noch in der äußersten existenziellen Not an der Seite von uns Menschen ist. Weder Hass noch Tod noch Gewalten der Höhe oder Tiefe können uns von Gottes Liebe scheiden, wie es der Apostel Paulus später ausgedrückt hat (Röm 8,38). In der Tat hat Jesus, durch seine Bereitschaft, bis zur äußersten Konsequenz zu gehen, den Kräften des Todes die Macht genommen, weil er sie im Letzten als wirkungslos entlarvt hat.&#xA;&#xA;IV&#xA;&#xA;Jetzt verstehen wir vielleicht, warum die Evangelisten in ihren Erzählungen vom Weg Jesu nach Jerusalem die Episode auf dem Tabor vorgeschaltet haben. In dieser bildhaft geschilderten Gottesbegegnung wird deutlich, woher Jesus die Kraft für sein Handeln genommen hat: Weil er sich grundsätzlich, von Anfang an und auf seinem ganzen Weg mit den Menschen in dieses warme, bergende und tröstende Licht hineingestellt wusste. Jesus hat von Gott nicht nur geredet, er hat Gottes unbedingte Nähe von innen heraus, aus seinem eigenen Herzen, erfahren. »Du bist mein geliebter Sohn«, sagt die Stimme aus der Wolke auf dem Tabor, so wie sie das schon sagte, als Jesus sich im Jordan taufen ließ. Jesus nimmt die Jünger mit auf den Berg, damit sie das nicht nur hören, sondern auch selbst für sich spüren können. Gottes Zusage gilt jedem Menschen ganz persönlich: »Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn.«  Verständlich, dass die Jünger nicht mehr weg wollen von dem Ort dieser Erfahrung. Aber Jesus weiß: Es gilt, sie hineinzutragen in den widerständigen und oft dunklen Alltag, damit wirklich das ganze Menschenleben hell wird von Gottes Zuneigung und Nähe. Mit Gott im Rücken haben Jesus und jene, die ihm folgen, die »Freiheit, aufzubrechen wohin« sie wollensupspan id=&#34;Verweis8&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​8/span/sup, weil sie vor nichts und niemandem mehr Angst haben müssen. Warum sie das können, zeigt die Erfahrung des Tabor, die sich ebenfalls mit einem Wort Hölderlins auf den Punkt bringen lässt:&#xA;&#xA;  Nah ist&#xA;Und schwer zu fassen der Gott.&#xA;Wo aber Gefahr ist, wächst&#xA;das Rettende auch.supspan id=&#34;Verweis9&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​9/span/sup&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung1&#34;1/span/sup Friedrich Hölderlin, Lebenslauf (Zweite Fassung, 1800).&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung2&#34;2/span/sup Im Lesejahr A lesen wir von diesen Ereignissen bei Matthäus (Mt 17,1-9), in den Lesejahren B und C bei Markus (Mk 9,2-10) und Lukas (Lk 9,28-36).&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung3&#34;3/span/sup Z. B. bei Anselm von Canterbury (Cur deus homo), dessen Gedankengang noch zugespitzt und vergröbert wurde.&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung4&#34;4/span/sup Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, Drittes Buch, Aphorismus 135 »Herkunft der Sünde«.&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung5&#34;5/span/sup Tilmann Moser: Gottesvergiftung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1980 (Erstauflage).&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung6&#34;6/span/sup Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Freiburg: Herder, 2026 und: Ders.: Jesus ohne Opfer, CiG 8/2026, 3f.&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung7&#34;7/span/sup Peter Strasser: Idioten des Absoluten: Über das Weltfremde in uns, Paderborn: Fink, 2017\.&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung8&#34;8/span/sup Vgl. Anm. 1&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung9&#34;9/span/sup Friedrich Hölderlin, Patmos (1803).&#xA;&#xA;Bild: Tabor, PikiWiki Israel 19217 Geography of Israel.&#xA;&#xA;div class=&#34;about-box&#34;&#xD;&#xA;  img src=&#34;https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp&#34; alt=&#34;linkskatholisch&#34;&#xD;&#xA;  h4«linkskatholisch«/h4&#xD;&#xA;  pHier schreibt emHermann Josef Eckl/em, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge./p&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://snap-share.de/public/uploads/original/70/58/f0c0db733d6c46fe881c3ade7d96.webp" alt="image"></p>

<h3 id="mt-17-1-9-https-www-bibleserver-com-eu-matth-c3-a4us17-2c1-9-2-fastensonntag-a"><a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us17%2C1-9">Mt 17,1–9</a>, 2. Fastensonntag A</h3>

<p><a href="https://linkskatholisch.de/tag:Predigt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Predigt</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Mt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mt</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Fastenzeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fastenzeit</span></a></p>

<h4 id="i">I</h4>

<blockquote><p>Nie, sterblichen Meistern gleich
Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
Dass ich wüsste, mit Vorsicht
Mich des ebenen Pfads geführt.</p>

<p>Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
dass er kräftig genährt, danken für alles lern
und verstehe die Freiheit,
aufzubrechen, wohin er will. <sup><span id="Verweis1" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung1">1</a></span></sup></p></blockquote>

<h4 id="ii">II</h4>

<p>Nicht des ebenen Pfads führen die Erzählungen der Evangelien Jesus und seine Jünger am Zweiten Fastensonntag<sup><span id="Verweis2" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung2">2</a></span></sup>, sondern zunächst auf einen geheimnisvollen Berg und von dort ins Ungewisse. Wo diese Begebenheit stattgefunden haben könnte, wissen wir nicht genau. Die spätere Überlieferung hat den Berg als den Tabor identifiziert, der schon lange vor Jesu Zeiten ein heiliger Ort war. Einsam und weithin sichtbar ragt der Tabor über den See Genezareth und das weite Land der Jesreʿel-Ebene auf. Ihn zu besteigen ist ein gemütlicher Spaziergang, und doch fühlt man sich auf dem Gipfel herausgehoben aus dem Alltag, abgeschirmt vom täglichen Trubel und beschützt.
</p>

<p>Der Erzähler des Matthäus-Evangeliums hat diese Szene bewusst komponiert, als Zwischenetappe auf dem Weg Jesu nach Jerusalem. In der Rückschau wusste man, dass ihn dort sein Prozess und die Hinrichtung erwarten würden. Das Evangelium spricht davon in Andeutungen, die die Jünger nicht verstehen. Kurz vorher schon haben sie geradezu wütend reagiert, als Jesus sein Schicksal angedeutet hat (<a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us16%2C22-23">Mt 16,22-23</a>).</p>

<p>Wir sind jetzt in den Wochen der Fastenzeit mit Jesus unterwegs. Wir gehen mit ihm auf den Karfreitag und auf Ostern zu. Vielleicht haben wir dieselben Fragen wie die Jünger damals: War es unausweichlich, dass Jesus auf den Tod zugeht? Hätte er nicht einfach auch Erfolg haben können mit seiner Botschaft eines bedingungslos liebenden und erbarmenden Gottes? So haben es sich seine Anhänger erträumt und in Jerusalem erwartet. Die bittere Enttäuschung darüber sollte noch Jahrzehnte nach Jesu Tod nachwirken, bis die ersten christlichen Gemeinden tastend zu Deutungen des Geschehens fanden.</p>

<p>Und Jesus selbst? Hat er diesen Tod gesucht? War er notwendig als Teil seiner Mission? Schon in den frühen Deutungsversuchen klingt das Motiv an: Jesus wäre gestorben <em>wegen</em> unserer Sünden oder <em>für</em> unsere Sünden. Später, in der mittelalterlichen Theologie<sup><span id="Verweis3" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung3">3</a></span></sup>, wurde diese Deutung zugespitzt. Jesus wäre gestorben, um die Ehre eines durch die menschlichen Sünden beleidigten Gottes wiederherzustellen, und hätte durch seinen Tod Satisfaktion geleistet. Eine Genugtuung, die – weil es ja Gott war, der beleidigt wurde – nur durch Gott selbst geleistet werden konnte. So wurde die gesamte Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazaret unter das Zeichen eines vorprogrammierten Todes gestellt.</p>

<p>Diese Vorstellung hat unendlich viel Unheil angerichtet und unzählige Menschen von Gott und dem christlichen Glauben entfremdet. Nietzsche hat von einem »ehrsüchtigen Orientalen im Himmel« gesprochen<sup><span id="Verweis4" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung4">4</a></span></sup>, der aus nichtigen Gründen ein grausames Opfer verlangt. Nimmt man zu diesem Bild von Gott ein Menschenbild hinzu, das den Menschen ausschließlich als unheilbaren Sünder sieht, dann ergibt sich daraus eine wahrhaft toxische Mischung. In den Händen der Mächtigen wurde sie zum Werkzeug, um Menschen moralisch unter Druck zu setzen: »Um <em>deiner</em> Sünden willen musste Jesus sterben, weil du so verdorben bist.  Darum hast du all deinen natürlichen Lebensregungen zu misstrauen: deiner Sehnsucht nach Glück, deiner Freude am Genuss, deinem Verlangen nach Zuneigung und Liebe. Das alles ist böse und wird erst dann wieder gut, wenn Jesus am Kreuz dafür Sühne geleistet hat.«</p>

<p>Nicht ohne Grund haben Religionskritiker wie Nietzsche und Freud diesen Glauben als krankmachend eingeschätzt. »Freut euch, wenn euer Gott freundlicher war«, schrieb der 2024 verstorbene Psychoanalytiker Tilmann Moser<sup><span id="Verweis5" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung5">5</a></span></sup>. Ganz aktuell hat der Exeget Peter Trummer in einem Beitrag der Zeitschrift »Christ in der Gegenwart« und weiter ausgearbeitet in einem Buch<sup><span id="Verweis6" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung6">6</a></span></sup> diese Form von Theologie attackiert und vorgeschlagen, wir sollten am besten gleich ganz auf den Gedanken eines Gottmenschen Jesus Christus verzichten, der für uns Menschen hätte leiden müssen. Jesus habe so etwas nie gewollt.</p>

<h4 id="iii">III</h4>

<p>Ist es also eine Erfindung, dass der Evangelist die herrliche, lichterfüllte Begebenheit am Tabor unter den Schatten des bevorstehenden Todes Jesu stellt? Denn genau das meint der geheimnisvolle Schlusssatz, erst nach der Auferstehung und damit auch dem Kreuz, dürfe von alldem berichtet werden.</p>

<p>Jesus hat das Leben ganz sicher leidenschaftlich geliebt. Das zeigt sich in seiner Zuwendung zu den Armen, Kranken, Notleidenden und Entrechteten. Das zeigt sich auch in Jesu Freude am gemeinsamen Essen und Feiern. Und an der Zärtlichkeit, mit der er die unscheinbarsten Dinge wertgeschätzt hat: die Lilien und die Spatzen auf den Feldern. Nirgendwo ist davon die Rede, dass der Gott, für den Jesus so unermüdlich Zeugnis abgelegt hat, für sein Erbarmen und seine Zuneigung eine Gegenleistung verlangen würde. Im Gegenteil: Der Gott Jesu Christi liebt bedingungslos und unterschiedslos.</p>

<p>Warum also geht der Abstieg vom Tabor in den Tod hinein? Es wäre ein allzu harmloses Bild von Jesus und seiner Botschaft, wenn wir ihn zu einem naiven Charismatiker machen würden, der das Schwere, das uns in unserem Leben begegnet, Schmerz und Krankheit, Hass und Gewalt, und vieles zweifellos Böse, was sich im Menschenherzen findet, einfach weglächeln würde. »Alles ist gut und Gott ist ganz ungeheuer nett.«  Die so von Gott sprechen, hat der Grazer Philosoph Peter Strasser zurecht »Seligkeitsidioten«<sup><span id="Verweis7" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung7">7</a></span></sup> genannt.</p>

<p>Jesus war gekommen, um von dem liebenden Gott zu sprechen, aber auch, um dem Bösen, für das er einen sehr realistischen Blick hatte, etwas entgegenzusetzen. Jesus reiht sich ein in die Machtkritik der Propheten des Ersten Testaments. Er weiß um den Willen zur Macht eines Herodes, der alles totmachen möchte, was sich seiner Herrschaft entgegenstellt, er weiß um den Fanatismus derer, die – am liebsten mit ihm als Anführer – als Gotteskrieger die Römer vertreiben wollen, er weiß um die sozialen Gegensätze, die von der Spitze der Gesellschaft bis in den Alltag der kleinen Leute hineinwirken, er weiß um die Kaltherzigkeit, mit der gerade jene, die eigentlich selbst auf Barmherzigkeit angewiesen sind, anderen das Leben neiden. Und er weiß um die Heuchelei der frommen Funktionäre, die damals wie heute mit vermeintlich göttlichen Geboten andere schikanieren.</p>

<p>Und ebensowenig, wie er sich davon abbringen lässt, von Gottes Güte zu sprechen, hält Jesus den Mund, wenn es darum geht, diese Missstände zu benennen. Jesus ist sich dessen klar bewusst, dass er damit sein Leben riskiert. Mit beidem, mit seiner Gottesrede und seiner Machtkritik, bringt er die Großen und die Frommen zur Raserei. Wenn nämlich gilt, was Jesus sagt, und wenn die Menschen ihm glauben, dann untergräbt das jede Herrschaft von Menschen über Menschen. Der Weg Jesu nach Jerusalem hin zu Verurteilung und Tod war also kein blöder Zufall. Jesus hat seine Botschaft und sein Handeln bewusst auf die Spitze getrieben, weil er zeigen wollte, dass der Gott, dem er so bedingungslos vertraute, auch noch in der äußersten existenziellen Not an der Seite von uns Menschen ist. Weder Hass noch Tod noch Gewalten der Höhe oder Tiefe können uns von Gottes Liebe scheiden, wie es der Apostel Paulus später ausgedrückt hat (<a href="https://www.bibleserver.com/EU.LUT/R%C3%B6mer8,38">Röm 8,38</a>). In der Tat hat Jesus, durch seine Bereitschaft, bis zur äußersten Konsequenz zu gehen, den Kräften des Todes die Macht genommen, weil er sie im Letzten als wirkungslos entlarvt hat.</p>

<h4 id="iv">IV</h4>

<p>Jetzt verstehen wir vielleicht, warum die Evangelisten in ihren Erzählungen vom Weg Jesu nach Jerusalem die Episode auf dem Tabor vorgeschaltet haben. In dieser bildhaft geschilderten Gottesbegegnung wird deutlich, woher Jesus die Kraft für sein Handeln genommen hat: Weil er sich grundsätzlich, von Anfang an und auf seinem ganzen Weg mit den Menschen in dieses warme, bergende und tröstende Licht hineingestellt wusste. Jesus hat von Gott nicht nur geredet, er hat Gottes unbedingte Nähe von innen heraus, aus seinem eigenen Herzen, erfahren. »Du bist mein geliebter Sohn«, sagt die Stimme aus der Wolke auf dem Tabor, so wie sie das schon sagte, als Jesus sich im Jordan taufen ließ. Jesus nimmt die Jünger mit auf den Berg, damit sie das nicht nur hören, sondern auch selbst für sich spüren können. Gottes Zusage gilt jedem Menschen ganz persönlich: »Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn.«  Verständlich, dass die Jünger nicht mehr weg wollen von dem Ort dieser Erfahrung. Aber Jesus weiß: Es gilt, sie hineinzutragen in den widerständigen und oft dunklen Alltag, damit wirklich das ganze Menschenleben hell wird von Gottes Zuneigung und Nähe. Mit Gott im Rücken haben Jesus und jene, die ihm folgen, die »Freiheit, aufzubrechen wohin« sie wollen<sup><span id="Verweis8" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung8">8</a></span></sup>, weil sie vor nichts und niemandem mehr Angst haben müssen. Warum sie das können, zeigt die Erfahrung des Tabor, die sich ebenfalls mit einem Wort Hölderlins auf den Punkt bringen lässt:</p>

<blockquote><p>Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
das Rettende auch.<sup><span id="Verweis9" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung9">9</a></span></sup></p></blockquote>

<hr>

<p><sup><span id="Anmerkung1"><a href="#Verweis1">1</a></span></sup> Friedrich Hölderlin, Lebenslauf (Zweite Fassung, 1800).
<sup><span id="Anmerkung2"><a href="#Verweis2">2</a></span></sup> Im Lesejahr A lesen wir von diesen Ereignissen bei Matthäus (<a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us17%2C1-9">Mt 17,1-9</a>), in den Lesejahren B und C bei Markus (<a href="https://www.bibleserver.com/EU/Markus9%2C2-10">Mk 9,2-10</a>) und Lukas (<a href="https://www.bibleserver.com/EU/Lukas9%2C28-36">Lk 9,28-36</a>).
<sup><span id="Anmerkung3"><a href="#Verweis3">3</a></span></sup> Z. B. bei Anselm von Canterbury (Cur deus homo), dessen Gedankengang noch zugespitzt und vergröbert wurde.
<sup><span id="Anmerkung4"><a href="#Verweis4">4</a></span></sup> Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, Drittes Buch, Aphorismus 135 »Herkunft der Sünde«.
<sup><span id="Anmerkung5"><a href="#Verweis5">5</a></span></sup> Tilmann Moser: Gottesvergiftung, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1980 (Erstauflage).
<sup><span id="Anmerkung6"><a href="#Verweis6">6</a></span></sup> Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Freiburg: Herder, 2026 und: Ders.: Jesus ohne Opfer, <a href="https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2026/8-2026/jesus-ohne-opfer/">CiG 8/2026, 3f</a>.
<sup><span id="Anmerkung7"><a href="#Verweis7">7</a></span></sup> Peter Strasser: Idioten des Absoluten: Über das Weltfremde in uns, Paderborn: Fink, 2017.
<sup><span id="Anmerkung8"><a href="#Verweis8">8</a></span></sup> Vgl. Anm. 1
<sup><span id="Anmerkung9"><a href="#Verweis9">9</a></span></sup> Friedrich Hölderlin, Patmos (1803).</p>

<p><em>Bild: Tabor, PikiWiki Israel 19217 Geography of Israel.</em></p>

<div class="about-box">
  <img src="https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp" alt="linkskatholisch">
  <h4>«linkskatholisch«</h4>
  <p>Hier schreibt <em>Hermann Josef Eckl</em>, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.</p>
</div>
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      <guid>https://linkskatholisch.de/aufbrechen-wohin-ich-will</guid>
      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Geschmack des Lebens</title>
      <link>https://linkskatholisch.de/geschmack-des-lebens</link>
      <description>&lt;![CDATA[Salz&#xA;&#xA;Mt 5, 13–16, Fünfter Sonntag im Jahreskreis A&#xA;&#xA;#Predigt #Mt&#xA;&#xA;I&#xA;&#xA;Der menschliche Geschmackssinn kann fünf grundlegende Geschmacksrichtungen wahrnehmen: süß und sauer, fleischig, bitter – und salzig. Den Geschmack von Salz kennen wir alle. Viele Speisen verfeinern wir mit Salz: Fleisch und Gemüse, Salate und Suppen und einiges mehr. Salz kann helfen, das Geschmackserlebnis eines guten Gerichts zu steigern.&#xA;&#xA;Aber woher bekommt das Salz selbst seinen Geschmack? Und wie kann es passieren, dass es schal wird und diesen Geschmack verliert, wovon Jesus im Evangelium spricht?&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Reines Kochsalz, Natriumchlorid, ist eine stabile chemische Verbindung und kann gar nicht geschmacklos werden. Es bleibt immer salzig. In der Antike aber, bis hinein in die Neuzeit, wurde Salz oft aus unreinen Quellen gewonnen, z. B. mit anderen Mineralien vermischtes Meersalz oder Salze aus bestimmten Salzseen, wie dem Toten Meer. Aus diesem Gemisch konnte bei Feuchtigkeit das Natriumchlorid herausgewaschen werden, sodass nur die geschmacklosen oder bitteren unlöslichen Verunreinigungen übrig blieben. Dieses »Rest-Salz« hatte dann seine Würzkraft verloren.&#xA;&#xA;Dennoch kann Salz durchaus unterschiedlich schmecken, je nachdem, welche anderen Stoffe aus dem Meerwasser oder aus Gebirgskristallen noch beigemischt sind. Spitzenköche und Genießer wissen das. Es geht also beim Salz keineswegs um die Reinheit, im Gegenteil. Erst durch die Vermischung verschiedener Substanzen und erst durch die Reaktion mit den Geschmackszellen schmeckt das Salz. Denn der salzige Geschmack von Kochsalz beruht auf der Reaktion der Natrium-Ionen mit Rezeptoren auf unserer Zunge. Dadurch werden Neurotransmitter freigesetzt und Signale an das Gehirn gesendet, die wir als »salzig« interpretieren. Der salzige Geschmack ist für unseren Körper lebenswichtig, weil er uns hilft, Natrium aufzunehmen, das für die Regulierung des Wasserhaushalts, den Blutdruck und die Nerven- und Muskelfunktion unerlässlich ist.&#xA;&#xA;II&#xA;&#xA;Die Aufforderung Jesu an seine Jünger, Salz der Erde zu sein und ja nicht schal zu werden, kann uns leicht unter Druck setzen. Es könnte so scheinen, als würde es gewaltige Mühe kosten und wäre fast unmöglich, Jesu Botschaft möglichst rein und unverfälscht zu bewahren. Und als müssten wir uns mit ständiger Anstrengung um eine möglichst große Intensität des frommen Geschmackserlebnisses bemühen. Solche Forderungen lassen sich dann auch leicht instrumentalisieren von Gruppierungen oder von Kirchenoberen, die für sich das alleinige Wissen über die richtige Zubereitung der Elemente unseres Glaubens in Anspruch nehmen.&#xA;&#xA;Nur wenn du die biblischen Texte wortwörtlich nimmst und nur wenn du an bestimmten Traditionen um keinen Preis etwas veränderst, bewahrst du das Salz des Glaubens unverfälscht – obwohl manche kirchliche Lehren und manche Traditionen vielleicht gar nicht auf Jesus zurückgehen, sondern sich über Jahrhunderte durch das Tun von Menschen entwickelt haben. Jeder Versuch, die Botschaft Jesu in die jeweilige Zeit und die jeweilige Gesellschaft hinein zu übersetzen, jeder Versuch, nicht nach dem Buchstaben, sondern nach dem eigentlichen Sinn zu fragen, wird dann als »Verunreinigung« des Glaubens gebrandmarkt. Wenn Christinnen und Christen, Männer und Frauen an Ämtern und Diensten der Kirche teilhaben wollen, wenn allen Menschen ohne Unterschied Gottes Zuneigung und Segen zugesprochen werden soll – dann, so heißt es, ist das Salz des Glaubens schal geworden. Aus so einem weichgespülten Glauben ist die Substanz ausgewaschen wie der Geschmack aus dem Salz. Er taugt zu nichts mehr, wird weggeworfen und zertreten.&#xA;&#xA;III&#xA;&#xA;Damit aber wird, so meine ich, missverstanden, was Jesus sagen wollte. Ein dermaßen auf Perfektion getrimmter Glaube ist in Wirklichkeit eine Geschmacklosigkeit. Jesus geht es nämlich nicht um eine vermeintliche »Reinheit« des Glaubens und auch nicht um Perfektion in der Wiedergabe irgendwelcher religiöser oder moralischer Lehren. &#xA;&#xA;Jesus weiß um die Vielfalt des Lebens. Jesus weiß auch, dass die Lebenssituationen von Menschen so vielfältige Geschmacksvariationen haben wie das Salz: Steinsalz und Meersalz, Himalaysalz und Fleur de Sel aus der Camargue, Gewürzsalz und Rauchsalz. &#xA;&#xA;Unser Glaube schmeckt gerade dann gut, wenn wir das Salz in seiner unreinen Mischung belassen. Freilich müssen wir sorgsam mit dem Salz umgehen, damit der Geschmacksstoff nicht ausgewaschen wird. Aber auch das vermeintliche »Unreine« gehört dazu, weil es erst dies die interessanten zusätzlichen Aromen ergibt. Und es ist auch vollkommen normal, dass der eine Mensch sich mehr von diesem, der andere mehr von jenem Aroma angesprochen fühlt. &#xA;&#xA;Daher wäre es nicht gut, allen Menschen ohne Unterschied das gleiche Salz vorzusetzen. Vielmehr gilt es, das Salz der Glaubensbotschaft wie bei einem guten Gericht auf die jeweiligen Lebensumstände und Bedürfnisse der Menschen abzustimmen. Die stille Zurückgezogenheit im Gebet, die Anteilnahme am Gottesdienst oder der praktische Einsatz in Politik und Gesellschaft können gleichermaßen zum wohlschmeckenden Zeugnis für das Evangelium werden. Salz wirkt auch nur in der richtigen Konzentration. Im Übermaß genossen verdirbt es den Geschmack und bringt die Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dann stellt sich ein Bluthochdruck ein, der ähnlich schädlich ist, wie ein ständiger überspannter Glaubenseifer.&#xA;&#xA;Ein Letztes: Wir können das Salz gar nicht selbst salzig machen. Der Geschmack des Salzes entsteht erst auf unserer Zunge. Erst wenn das Salz auf einen lebendigen Menschen und sein Geschmacksempfinden trifft, wird es wirklich zum Salz. Glaube ist also immer auch ein Geschehen von Kommunikation und Dialog. So hat Jesus es gehalten: Er hat niemals sein Gegenüber überwältigt und überfordert. Und so sollen es auch wir als seine Jüngerinnen und Jünger halten.&#xA;&#xA;Jesus gebraucht in seiner Rede ein doppeltes Bild: Er spricht vom Salz der Erde und vom Licht der Welt. Beide Bilder münden in die Schlusspointe, die zeigt, worauf es letztlich ankommt: auf die »guten Taten«. Nicht auf die vermeintliche Reinheit des Glaubens und die Strenge der Gebote, sondern darauf, dass meine Mitmenschen und ich zu einem gelungenen Leben finden. Das passt zum Kontext der Bergpredigt, in die diese Bildworte gestellt sind: Sie möchte zu eben jenem guten Leben hinführen. Und ich glaube, das haben wir auch schon alle oft genug erfahren: Solch ein gutes Leben schmeckt man dann einfach. Wie bei einem guten Gericht, weiß man, wann es passt. Lassen wir uns also das Leben schmecken, mit einer Prise Salz, aber nicht zu viel.&#xA;&#xA;Bild (c) Ekaterina Shishina, unsplash&#xA;&#xA;div class=&#34;about-box&#34;&#xD;&#xA;  img src=&#34;https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp&#34; alt=&#34;linkskatholisch&#34;&#xD;&#xA;  h4«linkskatholisch«/h4&#xD;&#xA;  pHier schreibt emHermann Josef Eckl/em, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge./p&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://snap-share.de/public/uploads/medium/d5/1b/512c84994d3ce8678a4ca8ddebf7.webp" alt="Salz"></p>

<h3 id="mt-5-13-16-https-www-bibleserver-com-eu-matth-c3-a4us5-2c13-16-fünfter-sonntag-im-jahreskreis-a"><a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us5%2C13-16">Mt 5, 13–16</a>, Fünfter Sonntag im Jahreskreis A</h3>

<p><a href="https://linkskatholisch.de/tag:Predigt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Predigt</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Mt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mt</span></a></p>

<h4 id="i">I</h4>

<p>Der menschliche Geschmackssinn kann fünf grundlegende Geschmacksrichtungen wahrnehmen: süß und sauer, fleischig, bitter – und salzig. Den Geschmack von Salz kennen wir alle. Viele Speisen verfeinern wir mit Salz: Fleisch und Gemüse, Salate und Suppen und einiges mehr. Salz kann helfen, das Geschmackserlebnis eines guten Gerichts zu steigern.</p>

<p>Aber woher bekommt das Salz selbst seinen Geschmack? Und wie kann es passieren, dass es schal wird und diesen Geschmack verliert, wovon Jesus im Evangelium spricht?
</p>

<p>Reines Kochsalz, Natriumchlorid, ist eine stabile chemische Verbindung und kann gar nicht geschmacklos werden. Es bleibt immer salzig. In der Antike aber, bis hinein in die Neuzeit, wurde Salz oft aus unreinen Quellen gewonnen, z. B. mit anderen Mineralien vermischtes Meersalz oder Salze aus bestimmten Salzseen, wie dem Toten Meer. Aus diesem Gemisch konnte bei Feuchtigkeit das Natriumchlorid herausgewaschen werden, sodass nur die geschmacklosen oder bitteren unlöslichen Verunreinigungen übrig blieben. Dieses »Rest-Salz« hatte dann seine Würzkraft verloren.</p>

<p>Dennoch kann Salz durchaus unterschiedlich schmecken, je nachdem, welche anderen Stoffe aus dem Meerwasser oder aus Gebirgskristallen noch beigemischt sind. Spitzenköche und Genießer wissen das. Es geht also beim Salz keineswegs um die Reinheit, im Gegenteil. Erst durch die Vermischung verschiedener Substanzen und erst durch die Reaktion mit den Geschmackszellen schmeckt das Salz. Denn der salzige Geschmack von Kochsalz beruht auf der Reaktion der Natrium-Ionen mit Rezeptoren auf unserer Zunge. Dadurch werden Neurotransmitter freigesetzt und Signale an das Gehirn gesendet, die wir als »salzig« interpretieren. Der salzige Geschmack ist für unseren Körper lebenswichtig, weil er uns hilft, Natrium aufzunehmen, das für die Regulierung des Wasserhaushalts, den Blutdruck und die Nerven- und Muskelfunktion unerlässlich ist.</p>

<h4 id="ii">II</h4>

<p>Die Aufforderung Jesu an seine Jünger, Salz der Erde zu sein und ja nicht schal zu werden, kann uns leicht unter Druck setzen. Es könnte so scheinen, als würde es gewaltige Mühe kosten und wäre fast unmöglich, Jesu Botschaft möglichst rein und unverfälscht zu bewahren. Und als müssten wir uns mit ständiger Anstrengung um eine möglichst große Intensität des frommen Geschmackserlebnisses bemühen. Solche Forderungen lassen sich dann auch leicht instrumentalisieren von Gruppierungen oder von Kirchenoberen, die für sich das alleinige Wissen über die richtige Zubereitung der Elemente unseres Glaubens in Anspruch nehmen.</p>

<p>Nur wenn du die biblischen Texte wortwörtlich nimmst und nur wenn du an bestimmten Traditionen um keinen Preis etwas veränderst, bewahrst du das Salz des Glaubens unverfälscht – obwohl manche kirchliche Lehren und manche Traditionen vielleicht gar nicht auf Jesus zurückgehen, sondern sich über Jahrhunderte durch das Tun von Menschen entwickelt haben. Jeder Versuch, die Botschaft Jesu in die jeweilige Zeit und die jeweilige Gesellschaft hinein zu übersetzen, jeder Versuch, nicht nach dem Buchstaben, sondern nach dem eigentlichen Sinn zu fragen, wird dann als »Verunreinigung« des Glaubens gebrandmarkt. Wenn Christinnen und Christen, Männer und Frauen an Ämtern und Diensten der Kirche teilhaben wollen, wenn allen Menschen ohne Unterschied Gottes Zuneigung und Segen zugesprochen werden soll – dann, so heißt es, ist das Salz des Glaubens schal geworden. Aus so einem weichgespülten Glauben ist die Substanz ausgewaschen wie der Geschmack aus dem Salz. Er taugt zu nichts mehr, wird weggeworfen und zertreten.</p>

<h4 id="iii">III</h4>

<p>Damit aber wird, so meine ich, missverstanden, was Jesus sagen wollte. Ein dermaßen auf Perfektion getrimmter Glaube ist in Wirklichkeit eine Geschmacklosigkeit. Jesus geht es nämlich nicht um eine vermeintliche »Reinheit« des Glaubens und auch nicht um Perfektion in der Wiedergabe irgendwelcher religiöser oder moralischer Lehren.</p>

<p>Jesus weiß um die Vielfalt des Lebens. Jesus weiß auch, dass die Lebenssituationen von Menschen so vielfältige Geschmacksvariationen haben wie das Salz: Steinsalz und Meersalz, Himalaysalz und Fleur de Sel aus der Camargue, Gewürzsalz und Rauchsalz.</p>

<p>Unser Glaube schmeckt gerade dann gut, wenn wir das Salz in seiner unreinen Mischung belassen. Freilich müssen wir sorgsam mit dem Salz umgehen, damit der Geschmacksstoff nicht ausgewaschen wird. Aber auch das vermeintliche »Unreine« gehört dazu, weil es erst dies die interessanten zusätzlichen Aromen ergibt. Und es ist auch vollkommen normal, dass der eine Mensch sich mehr von diesem, der andere mehr von jenem Aroma angesprochen fühlt.</p>

<p>Daher wäre es nicht gut, allen Menschen ohne Unterschied das gleiche Salz vorzusetzen. Vielmehr gilt es, das Salz der Glaubensbotschaft wie bei einem guten Gericht auf die jeweiligen Lebensumstände und Bedürfnisse der Menschen abzustimmen. Die stille Zurückgezogenheit im Gebet, die Anteilnahme am Gottesdienst oder der praktische Einsatz in Politik und Gesellschaft können gleichermaßen zum wohlschmeckenden Zeugnis für das Evangelium werden. Salz wirkt auch nur in der richtigen Konzentration. Im Übermaß genossen verdirbt es den Geschmack und bringt die Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dann stellt sich ein Bluthochdruck ein, der ähnlich schädlich ist, wie ein ständiger überspannter Glaubenseifer.</p>

<p>Ein Letztes: Wir können das Salz gar nicht selbst salzig machen. Der Geschmack des Salzes entsteht erst auf unserer Zunge. Erst wenn das Salz auf einen lebendigen Menschen und sein Geschmacksempfinden trifft, wird es wirklich zum Salz. Glaube ist also immer auch ein Geschehen von Kommunikation und Dialog. So hat Jesus es gehalten: Er hat niemals sein Gegenüber überwältigt und überfordert. Und so sollen es auch wir als seine Jüngerinnen und Jünger halten.</p>

<p>Jesus gebraucht in seiner Rede ein doppeltes Bild: Er spricht vom Salz der Erde und vom Licht der Welt. Beide Bilder münden in die Schlusspointe, die zeigt, worauf es letztlich ankommt: auf die »guten Taten«. Nicht auf die vermeintliche Reinheit des Glaubens und die Strenge der Gebote, sondern darauf, dass meine Mitmenschen und ich zu einem gelungenen Leben finden. Das passt zum Kontext der Bergpredigt, in die diese Bildworte gestellt sind: Sie möchte zu eben jenem guten Leben hinführen. Und ich glaube, das haben wir auch schon alle oft genug erfahren: Solch ein gutes Leben schmeckt man dann einfach. Wie bei einem guten Gericht, weiß man, wann es passt. Lassen wir uns also das Leben schmecken, mit einer Prise Salz, aber nicht zu viel.</p>

<p><em>Bild © Ekaterina Shishina, unsplash</em></p>

<div class="about-box">
  <img src="https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp" alt="linkskatholisch">
  <h4>«linkskatholisch«</h4>
  <p>Hier schreibt <em>Hermann Josef Eckl</em>, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.</p>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://linkskatholisch.de/geschmack-des-lebens</guid>
      <pubDate>Sun, 08 Feb 2026 19:30:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hochzeit des Lichts: Zu den Seligpreisungen der Bergpredigt</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Meeresküste in Nordafrika&#xA;&#xA;Mt 5,1–12, Vierter Sonntag im Jahreskreis A&#xA;&#xA;#Predigt #Mt&#xA;&#xA;I&#xA;&#xA;  Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grellblauen Himmel, die blumenübersäten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers. Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor lauter Sonne. Vergebens suchen die Augen mehr festzuhalten als die leuchtenden Farbtropfen, die an den Wimpern zittern. Der herbe Geruch der Kräuter kratzt in der Kehle und benimmt in der ungeheuren Hitze den Atem. Hier trifft man die Götter wie Ruhepunkte im Lauf der Tage. Ich sage: »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.« !--more-- Ich weiß hier und jetzt, dass ich nie nahe genug an die Dinge der Welt herankommen werde. Nackt muss ich sein und muss dann, mit allen Gerüchen der Erde behaftet, ins Meer tauchen, mich reinigen in seinen Salzwassern und auf meiner Haut die Umarmung von Meer und Erde empfinden, nach der beide so lange schon verlangen. Hier begreife ich den höchsten Ruhm der Erde: das Recht zu unermesslicher Liebe. Es gibt nur diese eine, einzige Liebe in der Welt. Wenn ich mich jetzt gleich in die Wermutbüsche werfe und ihr Duft meinen Körper durchdringt, so werde ich bewusst und gegen alle Vorurteile eine Wahrheit bekennen: die Wahrheit der Sonne, die auch die Wahrheit meines Todes sein wird. Die Brise ist frisch, der Himmel ist blau. Ich liebe dieses Leben von ganzem Herzen und will frei von ihm reden: Ich verdanke ihm den Stolz, ein Mensch zu sein.&#xA;&#xA;  Albert Camus, Hochzeit in Tipasa supspan id=&#34;Verweis1&#34; style=&#34;font-style: normal;&#34;​1/span/sup&#xA;&#xA;II&#xA;&#xA;Ganz so wie in Tipasa, einer kleinen Stadt in Algerien, deren Schönheit Albert Camus so eindrucksvoll beschreibt, ist der Sommer bei uns nicht. Aber wir kennen schon auch die Stunden, in denen uns das Licht der Sonne und ihre Wärme buchstäblich zu durchfluten scheinen. Vielleicht an einem erholsamen Wochenende, wo ich am Rand eines Badeweihers im Halbschatten auf der Wiese liege. Ich habe den Geruch der Blumen und des Wassers in der Nase, eine sanfte Brise streicht über meine Haut, ich spüre die Ruhe in mir und lasse mich einfach treiben. Mein Blick gleitet über die Umgebung, nimmt alles wahr und wird doch durch nichts festgehalten. Dann höre ich auf, über die Dinge rings um mich herum nachzudenken.&#xA;&#xA;Normalerweise kann ich gar nicht anders, als mir über alles, was mir begegnet, ein Urteil zu bilden, Theorien zu entwerfen, die Wirklichkeit in Konzepte einzuordnen. Menschen, mit denen ich zu tun habe, checke ich ab und überlege, wie ich mich ihnen gegenüber verhalten soll. Wenn ich etwas lese oder lerne oder in einer Vorlesung etwas höre, dann suche ich nach der passenden Schublade, in die ich das ablegen kann, frage mich vielleicht, ob ich darüber schon eine Meinung habe und wie etwas Neues, bisher Unbekanntes in mein Weltbild passt. Ich habe verlernt, dass ich die Dinge der Welt einfach so sein lasse, wie sie sind. Und mehr noch habe ich es verlernt, die Menschen mit ihren Eigenheiten und Besonderheiten gelten zu lassen, wie sie sind. »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.«, sagt Camus. Das genügt. Mehr noch: Das ist eigentlich der Schlüssel dafür, dass ich das Leben in seiner Buntheit und Vielfalt wieder neu schätzen lerne und dass ich mich von Menschen wieder überraschen und beschenken lassen kann; dass ich, wie Camus sagt, »nahe genug an die Dinge der Welt herankomme«, um ihnen nicht schon von vornherein meine Meinungen, meine festen Vorstellungen davon, wie das Leben zu sein hat, überzustülpen. Damit mir das gelingt, muss ich nackt sein, d. h., ich muss mich frei machen von den Vorurteilen, die verhindern, dass ich etwas überhaupt an mich heranlasse. Ich bilde mir ja meistens ein, schon alles vorher zu wissen. Bevor ich einen Menschen überhaupt treffe, mache ich mir schon ein Bild von ihm, frage nach, ob jemand anders ihn kennt, und übernehme dann das, was ich über diesen Menschen gehört habe. Wenn mir jemand etwas Neues erzählt, rattert es in meinem Kopf und ich versuche, den Punkt zu finden, wo ich einen Haken machen und sagen kann: »Das weiß ich schon«.&#xA;&#xA;III&#xA;&#xA;Mit diesen vorgefertigten Rastern, die ich mir zurechtlege, bringe ich mich darum, die Dinge und Menschen wirklich wahrzunehmen und das Leben zu genießen. Was Camus beschreibt in seiner Erfahrung des unmittelbaren Kontakts mit der Wirklichkeit, ist ein Weg des Lebensgenusses: Ich darf die »Gerüche der Erde [spüren], ins Meer tauchen, mich reinigen in seinen Salzwassern und auf meiner Haut die Umarmung von Meer und Erde empfinden«.&#xA;&#xA;Ich glaube, das ist genau dieselbe Weise, das Leben zu genießen, wie sie auch die Bergpredigt Jesu in ihren Seligpreisungen beschreibt, die wir eben im Evangelium gehört haben. Das klingt jetzt vielleicht etwas überraschend, betrachten wir gerade die Bergpredigt doch oft als eine besonders harte Schule der Welt-Überwindung: Arm muss ich da werden, hungern und dürsten, sogar verfolgt werden, und es schadet auch nicht, wenn ich ein bisschen arm im Geiste bin, sonst würde ich das alles gar nicht aushalten. Aber eine solche Lesart ist ein Missverständnis. Die so leben werden ja von Jesus selig gepriesen. Und Jesus war weder pervers noch ein Zyniker. Er hat auch nicht das gute Leben auf später vertagt, sonst hätte er es sich sparen können, sich selbst mit seiner ganzen Existenz den Armen, Notleidenden und Traurigen zuzuwenden, sie zu heilen und wieder froh zu machen.&#xA;&#xA;Selig sind die Armen: nämlich jene, die frei sind von vorgefassten Meinungen und angelernten pseudointellektuellen Urteilen. Selig sind die, die ihren Mitmenschen noch ganz unverstellt, völlig natürlich und unverkrampft begegnen können, die ein Lächeln erwidern und die Not der anderen sehen, ohne sie mit irgendwelchen Ausreden von sich fernzuhalten. Barmherzig sind die, die ihre Mitmenschen gelten lassen können und sie nicht in die eigene Lebensweise hineinzwängen müssen. Sie werden selbst Barmherzigkeit finden, weil sie sich als die annehmen können, die sie sind. Und ein reines Herz ist dasjenige, das sich danach sehnt, »nahe genug an die Dinge der Welt heran[zu]kommen« ohne etwas Fremdes zwischen sich und die Welt stellen zu müssen. Wenn ich so ein reines, unverstelltes Herz habe, dann kann ich tatsächlich schon in dieser Welt, in dem, was mir in ihr an Schönem, Großartigem, Wunderbarem, Trostreichem begegnet, Gott schauen. Das ist der »höchste Ruhm der Erde: das Recht zu unermesslicher Liebe«. Auf den, der so lebt, wie Jesus es gemeint hat, fließt dieser Ruhm über wie das Licht und die Wärme der Sonne, strömt in ihn hinein wie der Duft der Büsche und umspielt ihn wie die sanfte Brise des Sommerwinds. Wer möchte nicht so leben? –&#xA;&#xA;In unserem Alltag sind wir weit entfernt von einem solchen Leben, machen uns die Freude am Leben selbst kaputt oder suchen Genuss, indem wir uns nur immer mehr zuschütten mit unnützem Zeug. Dabei wäre es so einfach: Ich muss nur loslassen und mich trauen, ohne Krücken zu leben, ohne das, was andere mir einreden, oder was ich mir als unverzichtbar einbilde. Ich blähe meine Nase und sauge die Luft ein, ich öffne mein Herz und werde barmherzig – und dann gehört mir das Himmelreich. Jetzt.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;supspan id=&#34;Anmerkung1&#34;1/span/sup Camus, Albert ; Gan, P. ; Lang, M. (Übers.): Hochzeit des Lichts. Zürich : Arche, 2013.&#xA;&#xA;Bild: Strand von El Kala, Algerien (c) Validovish / Fotolia&#xA;&#xA;div class=&#34;about-box&#34;&#xD;&#xA;  img src=&#34;https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp&#34; alt=&#34;linkskatholisch&#34;&#xD;&#xA;  h4«linkskatholisch«/h4&#xD;&#xA;  pHier schreibt emHermann Josef Eckl/em, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge./p&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://snap-share.de/public/uploads/original/ad/e8/32241574098f04ab92c61b39fb1e.webp" alt="Meeresküste in Nordafrika"></p>

<h3 id="mt-5-1-12-https-www-bibleserver-com-eu-matth-c3-a4us5-2c1-12-vierter-sonntag-im-jahreskreis-a"><a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us5%2C1-12">Mt 5,1–12</a>, Vierter Sonntag im Jahreskreis A</h3>

<p><a href="https://linkskatholisch.de/tag:Predigt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Predigt</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Mt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mt</span></a></p>

<h3 id="i">I</h3>

<blockquote><p>Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grellblauen Himmel, die blumenübersäten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers. Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor lauter Sonne. Vergebens suchen die Augen mehr festzuhalten als die leuchtenden Farbtropfen, die an den Wimpern zittern. Der herbe Geruch der Kräuter kratzt in der Kehle und benimmt in der ungeheuren Hitze den Atem. Hier trifft man die Götter wie Ruhepunkte im Lauf der Tage. Ich sage: »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.«  Ich weiß hier und jetzt, dass ich nie nahe genug an die Dinge der Welt herankommen werde. Nackt muss ich sein und muss dann, mit allen Gerüchen der Erde behaftet, ins Meer tauchen, mich reinigen in seinen Salzwassern und auf meiner Haut die Umarmung von Meer und Erde empfinden, nach der beide so lange schon verlangen. Hier begreife ich den höchsten Ruhm der Erde: das Recht zu unermesslicher Liebe. Es gibt nur diese eine, einzige Liebe in der Welt. Wenn ich mich jetzt gleich in die Wermutbüsche werfe und ihr Duft meinen Körper durchdringt, so werde ich bewusst und gegen alle Vorurteile eine Wahrheit bekennen: die Wahrheit der Sonne, die auch die Wahrheit meines Todes sein wird. Die Brise ist frisch, der Himmel ist blau. Ich liebe dieses Leben von ganzem Herzen und will frei von ihm reden: Ich verdanke ihm den Stolz, ein Mensch zu sein.</p>

<p>Albert Camus, Hochzeit in Tipasa <sup><span id="Verweis1" style="font-style: normal;">​<a href="#Anmerkung1">1</a></span></sup></p></blockquote>

<h3 id="ii">II</h3>

<p>Ganz so wie in Tipasa, einer kleinen Stadt in Algerien, deren Schönheit Albert Camus so eindrucksvoll beschreibt, ist der Sommer bei uns nicht. Aber wir kennen schon auch die Stunden, in denen uns das Licht der Sonne und ihre Wärme buchstäblich zu durchfluten scheinen. Vielleicht an einem erholsamen Wochenende, wo ich am Rand eines Badeweihers im Halbschatten auf der Wiese liege. Ich habe den Geruch der Blumen und des Wassers in der Nase, eine sanfte Brise streicht über meine Haut, ich spüre die Ruhe in mir und lasse mich einfach treiben. Mein Blick gleitet über die Umgebung, nimmt alles wahr und wird doch durch nichts festgehalten. Dann höre ich auf, über die Dinge rings um mich herum nachzudenken.</p>

<p>Normalerweise kann ich gar nicht anders, als mir über alles, was mir begegnet, ein Urteil zu bilden, Theorien zu entwerfen, die Wirklichkeit in Konzepte einzuordnen. Menschen, mit denen ich zu tun habe, checke ich ab und überlege, wie ich mich ihnen gegenüber verhalten soll. Wenn ich etwas lese oder lerne oder in einer Vorlesung etwas höre, dann suche ich nach der passenden Schublade, in die ich das ablegen kann, frage mich vielleicht, ob ich darüber schon eine Meinung habe und wie etwas Neues, bisher Unbekanntes in mein Weltbild passt. Ich habe verlernt, dass ich die Dinge der Welt einfach so sein lasse, wie sie sind. Und mehr noch habe ich es verlernt, die Menschen mit ihren Eigenheiten und Besonderheiten gelten zu lassen, wie sie sind. »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.«, sagt Camus. Das genügt. Mehr noch: Das ist eigentlich der Schlüssel dafür, dass ich das Leben in seiner Buntheit und Vielfalt wieder neu schätzen lerne und dass ich mich von Menschen wieder überraschen und beschenken lassen kann; dass ich, wie Camus sagt, »nahe genug an die Dinge der Welt herankomme«, um ihnen nicht schon von vornherein meine Meinungen, meine festen Vorstellungen davon, wie das Leben zu sein hat, überzustülpen. Damit mir das gelingt, muss ich nackt sein, d. h., ich muss mich frei machen von den Vorurteilen, die verhindern, dass ich etwas überhaupt an mich heranlasse. Ich bilde mir ja meistens ein, schon alles vorher zu wissen. Bevor ich einen Menschen überhaupt treffe, mache ich mir schon ein Bild von ihm, frage nach, ob jemand anders ihn kennt, und übernehme dann das, was ich über diesen Menschen gehört habe. Wenn mir jemand etwas Neues erzählt, rattert es in meinem Kopf und ich versuche, den Punkt zu finden, wo ich einen Haken machen und sagen kann: »Das weiß ich schon«.</p>

<h3 id="iii">III</h3>

<p>Mit diesen vorgefertigten Rastern, die ich mir zurechtlege, bringe ich mich darum, die Dinge und Menschen wirklich wahrzunehmen und das Leben zu genießen. Was Camus beschreibt in seiner Erfahrung des unmittelbaren Kontakts mit der Wirklichkeit, ist ein Weg des Lebensgenusses: Ich darf die »Gerüche der Erde [spüren], ins Meer tauchen, mich reinigen in seinen Salzwassern und auf meiner Haut die Umarmung von Meer und Erde empfinden«.</p>

<p>Ich glaube, das ist genau dieselbe Weise, das Leben zu genießen, wie sie auch die Bergpredigt Jesu in ihren Seligpreisungen beschreibt, die wir eben im Evangelium gehört haben. Das klingt jetzt vielleicht etwas überraschend, betrachten wir gerade die Bergpredigt doch oft als eine besonders harte Schule der Welt-Überwindung: Arm muss ich da werden, hungern und dürsten, sogar verfolgt werden, und es schadet auch nicht, wenn ich ein bisschen arm im Geiste bin, sonst würde ich das alles gar nicht aushalten. Aber eine solche Lesart ist ein Missverständnis. Die so leben werden ja von Jesus selig gepriesen. Und Jesus war weder pervers noch ein Zyniker. Er hat auch nicht das gute Leben auf später vertagt, sonst hätte er es sich sparen können, sich selbst mit seiner ganzen Existenz den Armen, Notleidenden und Traurigen zuzuwenden, sie zu heilen und wieder froh zu machen.</p>

<p>Selig sind die Armen: nämlich jene, die frei sind von vorgefassten Meinungen und angelernten pseudointellektuellen Urteilen. Selig sind die, die ihren Mitmenschen noch ganz unverstellt, völlig natürlich und unverkrampft begegnen können, die ein Lächeln erwidern und die Not der anderen sehen, ohne sie mit irgendwelchen Ausreden von sich fernzuhalten. Barmherzig sind die, die ihre Mitmenschen gelten lassen können und sie nicht in die eigene Lebensweise hineinzwängen müssen. Sie werden selbst Barmherzigkeit finden, weil sie sich als die annehmen können, die sie sind. Und ein reines Herz ist dasjenige, das sich danach sehnt, »nahe genug an die Dinge der Welt heran[zu]kommen« ohne etwas Fremdes zwischen sich und die Welt stellen zu müssen. Wenn ich so ein reines, unverstelltes Herz habe, dann kann ich tatsächlich schon in dieser Welt, in dem, was mir in ihr an Schönem, Großartigem, Wunderbarem, Trostreichem begegnet, Gott schauen. Das ist der »höchste Ruhm der Erde: das Recht zu unermesslicher Liebe«. Auf den, der so lebt, wie Jesus es gemeint hat, fließt dieser Ruhm über wie das Licht und die Wärme der Sonne, strömt in ihn hinein wie der Duft der Büsche und umspielt ihn wie die sanfte Brise des Sommerwinds. Wer möchte nicht so leben? –</p>

<p>In unserem Alltag sind wir weit entfernt von einem solchen Leben, machen uns die Freude am Leben selbst kaputt oder suchen Genuss, indem wir uns nur immer mehr zuschütten mit unnützem Zeug. Dabei wäre es so einfach: Ich muss nur loslassen und mich trauen, ohne Krücken zu leben, ohne das, was andere mir einreden, oder was ich mir als unverzichtbar einbilde. Ich blähe meine Nase und sauge die Luft ein, ich öffne mein Herz und werde barmherzig – und dann gehört mir das Himmelreich. Jetzt.</p>

<hr>

<p><sup><span id="Anmerkung1"><a href="#Verweis1">1</a></span></sup> Camus, Albert ; Gan, P. ; Lang, M. (Übers.): Hochzeit des Lichts. Zürich : Arche, 2013.</p>

<p><em>Bild: Strand von El Kala, Algerien © Validovish / Fotolia</em></p>

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  <h4>«linkskatholisch«</h4>
  <p>Hier schreibt <em>Hermann Josef Eckl</em>, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.</p>
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      <pubDate>Mon, 01 Mar 2021 17:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Steer your way: Zu einem Song von Leonhard Cohen</title>
      <link>https://linkskatholisch.de/steer-your-way</link>
      <description>&lt;![CDATA[Steuermann im Sturm&#xA;&#xA;Mt 4,1–11, Erster Sonntag der Fastenzeit (A)&#xA;&#xA;#Predigt #Fastenzeit #Mt&#xA;&#xA;I&#xA;&#xA;Ich stehe am Steuer meines Lebensschiffes. Die Gischt schäumt um den Bug, kühn schaue ich nach vorne, den Blick in die Ferne gewandt. Wie ein Held breche ich auf ins Unbekannte, um mir meine Zukunft zu holen, von der ich geträumt habe – ein Leben, das mir gehört und das ich nach meinem Willen gestalten kann, anders als Tradition und Herkunft es mir sagen. Alle kühnen Abenteurer sind auf diese Weise aufgebrochen, angefangen von den Sagengestalten der Antike bis zu den Eroberern der Neuen Welt und in fernen Jahrhunderten die Mannschaft der Enterprise.&#xA;!--more--&#xA;&#xA;»Steer your way«, »greif zum Steuer, bahn dir deinen Weg«, singt Leonard Cohen und beschwört damit für einen kurzen Moment das Bild des souveränen Steuermanns herauf. Selbst wenn ich nicht unbedingt ein Held sein will: Ich brauche dieses Bild auch für mein eigenes Leben. Wenn es nichts gibt, was mich antreibt, wie sollte ich dann im Leben vorankommen? Wenn ich nicht an eine Zukunft glaube, die für mich bestimmt ist, warum sollte ich dann überhaupt aufbrechen? Es mag unterschiedlich sein, was wir am fernen Horizont für uns erhoffen. Den einen motiviert die Suche nach Erkenntnis und Wissen. Ist es nicht großartig, was es da alles zu entdecken gibt, wenn ich mich in eine Bibliothek hinein versenke oder mich in ein Labor einschließe, alles um mich herum vergesse und staunend erfahre, wie viel an Schätzen die Menschheit schon angesammelt hat: Kunst und Literatur, Theorien und Formeln, die die Welt auf den Begriff bringen. Und es lockt das Versprechen, dass da noch mehr ist, vielleicht ein ganz kleiner Baustein, der bisher noch nicht gefunden wurde und mit dem ich persönlich dazu beitragen kann, dass das Verstehen wächst, die Welt noch offener und weiter und toleranter wird. Ein anderer mag es genießen, mit organisatorischem Können und wirtschaftlichem Geschick ein Unternehmen zu leiten, etwas aufzubauen, was zum allgemeinen Wohlstand beiträgt, etwas, von dem viele profitieren, etwas von bleibendem Wert. Und für wieder einen anderen ist es die Sorge um die ihm anvertrauten Menschen, die ihn nach vorne treibt. Für andere da zu sein, darauf zu achten, dass es ihnen gut geht – ist es nicht das, was uns im Tiefsten glücklich macht?&#xA;&#xA;II&#xA;&#xA;Ich vermute, in dem ein oder anderen Bild finden wir uns alle irgendwie wieder, und wir sind, von unseren unterschiedlichen Motiven bewegt, schon ein gewisses Stück vorangekommen auf unserer Lebensreise. Haben Wissen gesammelt, Qualifikationen erworben, uns in dem ein oder anderen praktischen Feld erprobt. Gewiss haben wir auch Rückschläge erlebt, aber wir haben wenigstens einige unserer Ziele erreicht. Und schauen uns am Steuer unseres Lebensschiffes zufrieden um; gleiten an Inseln mit malerischen Stränden vorbei, an dem ein oder anderen schroffen Gebirge, aber auch an besiedelten Buchten mit einladenden Häusern und freundlichen Menschen – unsere Lebenslandschaft.&#xA;&#xA;Was aber, wenn sich das alles bei näherem Hinsehen auf einmal als trügerisch entpuppt? Die Ansiedlungen verfallen und auf Müll gebaut, »they rise above the rot«; die Fenster der wohnlich geglaubten Häuser schauen mich mit leeren Augen an; an den einsamen Stränden stirbt die Natur und die Luft, die ich atme, ist mit einem Mal schneidend und kaum zu ertragen. Meine Lebenslandschaft: ein Trümmerfeld. So mag es dem melancholischen Poeten ergangen sein, der uns in der Rückschau auf ein langes Leben den Song »Steer your way« hinterlassen hat. Alles, worauf er sein Leben gebaut und woran er geglaubt hat, zerbröselt ihm zwischen den Fingern. Meine Wahrheiten sind von gestern und gelten heute nicht mehr. Meine Sicherheit, egal ob auf wirtschaftlichen oder weltanschaulichen Fundamenten gegründet, ist ins Wanken geraten. Selbst der Glaube hat mich verlassen: die alten Geschichten von der Erschaffung der Welt und die Gleichnisse von Liebe und Güte, Frieden und Versöhnung – nicht mehr als naive Märchen. Wie konnte es so weit kommen, dass ich mich habe täuschen lassen und auf Illusionen hereingefallen bin?&#xA;&#xA;III&#xA;&#xA;Könnte man diese Frage auch nicht dem stellen, der uns jeden Sonntag aufs Neue Hoffnungen macht, die sich am Ende womöglich auch nur als Illusionen erweisen? Ist es tatsächlich so, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen war – »never equal to the task« – und uns zu viel versprochen hat? Am Ende zerschellen seine Versprechen am Schmerz. Dem Schmerz über die Endlichkeit unseres Wissens, über die Grenzen unseres Könnens und unserer Fähigkeit, die Welt ein Stück besser zu machen; über die Grenzen sogar unseres Vermögens, zu lieben. Der Schmerz ist das einzig Reale. Der Stein von Golgota flüstert es mir zu, dass der Traum des Nazareners, die Menschen untereinander und mit Gott zu versöhnen, gescheitert ist. So bleibt uns am Ende nur, uns im Unvermeidlichen einzurichten und weiter unser altes Leben voller Gier und Konkurrenz zu leben: »As he died to make men holy, let us die to make things cheap.« Wäre es nicht besser gewesen, Jesus hätte die Möglichkeiten genutzt, die man ihm geboten hat? Warum hat er die Herrschaft über die Reiche dieser Welt abgelehnt? Er hätte sie doch zum Guten nutzen können. Warum hat er es abgelehnt, die Menschen mit den Gütern zu versorgen, die sie so notwendig brauchen? Es ist doch etwas Gutes, Wohlstand für alle zu schaffen. Warum hat er es abgelehnt, Gottes Macht durch ein eindeutiges Zeichen zu erweisen? Es ist doch gut, wenn die Menschen etwas haben, woran sie sich halten können. Und damit sind wir schon auf den Weg geraten, auf dem wir Luftschlösser und Illusionen bauen. Alle Theorien, alle Konzepte, alle Strategien sind nützlich, solange wir sie als etwas Vorläufiges betrachten. Verantwortungsvolle Wissenschaft kann uns vieles ermöglichen, was das Leben erleichtert. Kluge Politik und maßvolles Wirtschaften können für mehr Gerechtigkeit sorgen. Aber nichts von alledem ist absolut. Kein Wissen, kein Handeln, auch kein Glaube. Halten wir das Vorläufige für die Wahrheit und Wirklichkeit selbst, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Daher weist Jesus die Versuchungen, mit denen er konfrontiert wird, zurück. Er weiß, dass es nur Illusionen sind. Nur der Herr, dein Gott, alleine, so Jesus, ist keine Illusion. Aber selbst unser Bild von Gott ist nur vorläufig. Denn am Ende wird Jesus auch das genommen. Wir gehen in dieser Fastenzeit mit ihm den Weg ans Kreuz, wo er fragen wird: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?«&#xA;&#xA;IV&#xA;&#xA;Was bleibt mir dann, wenn ich auf gar nichts mehr bauen kann? – »Steer your way«, sagt das Lied, »past the ruins, past the truth«. Es gibt also noch etwas jenseits der verloren gegangenen Sicherheiten, jenseits der entlarvten Illusionen. »Steer your way«, bleib nicht stehen, geh weiter. Es ist unvermeidlich, dass du enttäuscht wirst. Es ist unvermeidlich, dass dein Wissen dir fragwürdig wird, gerade dann, wenn du dich leidenschaftlich um Wissen bemühst. Es ist unvermeidlich, dass du in die Irre gehst, gerade dann, wenn du aufrichtig nach Wahrheit strebst. Es ist unvermeidlich, dass deine Zuneigung ins Leere läuft, dass du Schmerzen erleidest, dass du selbst schuldig wirst. Aber das alles ist kein Grund, stehen zu bleiben und deine Suche aufzugeben. »Steer your way«, suche nach der Liebe, die keine Worte mehr hat, nach der Wahrheit, die nicht ausgesprochen werden kann, nach dem Gott, der jedes Bild sprengt. Immer wenn du glaubst, du hättest das Letztgültige gefunden, weißt du, dass es nicht das Letzte ist. Aber du weißt auch: Solange du unterwegs bist, wird der unbekannte nahe Gott dich tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt, er wird dir seine Engel senden und er ist sogar schon an deiner Seite: in Jesus, der gekommen ist, um dir und allen anderen Menschen zu dienen.&#xA;&#xA;---&#xA;Steer your way&#xA;&#xA;  Steer your way past the ruins of the altar and the mall&#xA;Steer your way through fables of creation and the fall&#xA;Steer your way past the palaces that rise above the rot&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;&#xA;  Steer your heart past the truth that you believed in yesterday&#xA;Such as fundamental goodness and the wisdom of the way&#xA;Steer your heart, precious heart, past the women whom you bought&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;Steer you way through the pain that is far more real than you&#xA;That’s smashed the cosmic model, that blinded every view&#xA;And please don’t make me go there, though there be a God or not&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;&#xA;  They whisper still, the injured stones&#xA;The blunted mountains weep&#xA;As he died to make men holy&#xA;Let us die to make things cheap&#xA;And the Mea Culpa, which you probably forgot&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;&#xA;  Steer your way, O my heart, though I have no right to ask&#xA;To the one who was never, never equal to the task&#xA;Who knows he’s been convicted, who knows he will be shot&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;&#xA;  They whisper still, the injured stones&#xA;The blunted mountains weep&#xA;As he died to make men holy&#xA;Let us die to make things cheap&#xA;And the Mea Culpa, which you gradually forgot&#xA;Year by year, month by month, day by day&#xA;Thought by thought&#xA;&#xA;  (c) Leonard Cohen 2016, aus: You want it darker&#xA;&#xA;Bild (c) Brilliant Eye / Adobe Stock&#xA;&#xA;div class=&#34;about-box&#34;&#xD;&#xA;  img src=&#34;https://snap-share.de/public/uploads/original/71/f9/78f2ae009a5b6e505d28f7080b61.webp&#34; alt=&#34;linkskatholisch&#34;&#xD;&#xA;  h4«linkskatholisch«/h4&#xD;&#xA;  pHier schreibt emHermann Josef Eckl/em, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge./p&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://snap-share.de/public/uploads/original/1e/aa/79e64298fc4c4f25f2ff2170de57.webp" alt="Steuermann im Sturm"></p>

<h3 id="mt-4-1-11-https-www-bibleserver-com-eu-matth-c3-a4us4-2c1-11-erster-sonntag-der-fastenzeit-a"><a href="https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us4%2C1-11">Mt 4,1–11</a>, Erster Sonntag der Fastenzeit (A)</h3>

<p><a href="https://linkskatholisch.de/tag:Predigt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Predigt</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Fastenzeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fastenzeit</span></a> <a href="https://linkskatholisch.de/tag:Mt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mt</span></a></p>

<h4 id="i">I</h4>

<p>Ich stehe am Steuer meines Lebensschiffes. Die Gischt schäumt um den Bug, kühn schaue ich nach vorne, den Blick in die Ferne gewandt. Wie ein Held breche ich auf ins Unbekannte, um mir meine Zukunft zu holen, von der ich geträumt habe – ein Leben, das mir gehört und das ich nach meinem Willen gestalten kann, anders als Tradition und Herkunft es mir sagen. Alle kühnen Abenteurer sind auf diese Weise aufgebrochen, angefangen von den Sagengestalten der Antike bis zu den Eroberern der Neuen Welt und in fernen Jahrhunderten die Mannschaft der Enterprise.
</p>

<p>»Steer your way«, »greif zum Steuer, bahn dir deinen Weg«, singt Leonard Cohen und beschwört damit für einen kurzen Moment das Bild des souveränen Steuermanns herauf. Selbst wenn ich nicht unbedingt ein Held sein will: Ich brauche dieses Bild auch für mein eigenes Leben. Wenn es nichts gibt, was mich antreibt, wie sollte ich dann im Leben vorankommen? Wenn ich nicht an eine Zukunft glaube, die für mich bestimmt ist, warum sollte ich dann überhaupt aufbrechen? Es mag unterschiedlich sein, was wir am fernen Horizont für uns erhoffen. Den einen motiviert die Suche nach Erkenntnis und Wissen. Ist es nicht großartig, was es da alles zu entdecken gibt, wenn ich mich in eine Bibliothek hinein versenke oder mich in ein Labor einschließe, alles um mich herum vergesse und staunend erfahre, wie viel an Schätzen die Menschheit schon angesammelt hat: Kunst und Literatur, Theorien und Formeln, die die Welt auf den Begriff bringen. Und es lockt das Versprechen, dass da noch mehr ist, vielleicht ein ganz kleiner Baustein, der bisher noch nicht gefunden wurde und mit dem ich persönlich dazu beitragen kann, dass das Verstehen wächst, die Welt noch offener und weiter und toleranter wird. Ein anderer mag es genießen, mit organisatorischem Können und wirtschaftlichem Geschick ein Unternehmen zu leiten, etwas aufzubauen, was zum allgemeinen Wohlstand beiträgt, etwas, von dem viele profitieren, etwas von bleibendem Wert. Und für wieder einen anderen ist es die Sorge um die ihm anvertrauten Menschen, die ihn nach vorne treibt. Für andere da zu sein, darauf zu achten, dass es ihnen gut geht – ist es nicht das, was uns im Tiefsten glücklich macht?</p>

<h4 id="ii">II</h4>

<p>Ich vermute, in dem ein oder anderen Bild finden wir uns alle irgendwie wieder, und wir sind, von unseren unterschiedlichen Motiven bewegt, schon ein gewisses Stück vorangekommen auf unserer Lebensreise. Haben Wissen gesammelt, Qualifikationen erworben, uns in dem ein oder anderen praktischen Feld erprobt. Gewiss haben wir auch Rückschläge erlebt, aber wir haben wenigstens einige unserer Ziele erreicht. Und schauen uns am Steuer unseres Lebensschiffes zufrieden um; gleiten an Inseln mit malerischen Stränden vorbei, an dem ein oder anderen schroffen Gebirge, aber auch an besiedelten Buchten mit einladenden Häusern und freundlichen Menschen – unsere Lebenslandschaft.</p>

<p>Was aber, wenn sich das alles bei näherem Hinsehen auf einmal als trügerisch entpuppt? Die Ansiedlungen verfallen und auf Müll gebaut, »they rise above the rot«; die Fenster der wohnlich geglaubten Häuser schauen mich mit leeren Augen an; an den einsamen Stränden stirbt die Natur und die Luft, die ich atme, ist mit einem Mal schneidend und kaum zu ertragen. Meine Lebenslandschaft: ein Trümmerfeld. So mag es dem melancholischen Poeten ergangen sein, der uns in der Rückschau auf ein langes Leben den Song »Steer your way« hinterlassen hat. Alles, worauf er sein Leben gebaut und woran er geglaubt hat, zerbröselt ihm zwischen den Fingern. Meine Wahrheiten sind von gestern und gelten heute nicht mehr. Meine Sicherheit, egal ob auf wirtschaftlichen oder weltanschaulichen Fundamenten gegründet, ist ins Wanken geraten. Selbst der Glaube hat mich verlassen: die alten Geschichten von der Erschaffung der Welt und die Gleichnisse von Liebe und Güte, Frieden und Versöhnung – nicht mehr als naive Märchen. Wie konnte es so weit kommen, dass ich mich habe täuschen lassen und auf Illusionen hereingefallen bin?</p>

<h4 id="iii">III</h4>

<p>Könnte man diese Frage auch nicht dem stellen, der uns jeden Sonntag aufs Neue Hoffnungen macht, die sich am Ende womöglich auch nur als Illusionen erweisen? Ist es tatsächlich so, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen war – »never equal to the task« – und uns zu viel versprochen hat? Am Ende zerschellen seine Versprechen am Schmerz. Dem Schmerz über die Endlichkeit unseres Wissens, über die Grenzen unseres Könnens und unserer Fähigkeit, die Welt ein Stück besser zu machen; über die Grenzen sogar unseres Vermögens, zu lieben. Der Schmerz ist das einzig Reale. Der Stein von Golgota flüstert es mir zu, dass der Traum des Nazareners, die Menschen untereinander und mit Gott zu versöhnen, gescheitert ist. So bleibt uns am Ende nur, uns im Unvermeidlichen einzurichten und weiter unser altes Leben voller Gier und Konkurrenz zu leben: »As he died to make men holy, let us die to make things cheap.« Wäre es nicht besser gewesen, Jesus hätte die Möglichkeiten genutzt, die man ihm geboten hat? Warum hat er die Herrschaft über die Reiche dieser Welt abgelehnt? Er hätte sie doch zum Guten nutzen können. Warum hat er es abgelehnt, die Menschen mit den Gütern zu versorgen, die sie so notwendig brauchen? Es ist doch etwas Gutes, Wohlstand für alle zu schaffen. Warum hat er es abgelehnt, Gottes Macht durch ein eindeutiges Zeichen zu erweisen? Es ist doch gut, wenn die Menschen etwas haben, woran sie sich halten können. Und damit sind wir schon auf den Weg geraten, auf dem wir Luftschlösser und Illusionen bauen. Alle Theorien, alle Konzepte, alle Strategien sind nützlich, solange wir sie als etwas Vorläufiges betrachten. Verantwortungsvolle Wissenschaft kann uns vieles ermöglichen, was das Leben erleichtert. Kluge Politik und maßvolles Wirtschaften können für mehr Gerechtigkeit sorgen. Aber nichts von alledem ist absolut. Kein Wissen, kein Handeln, auch kein Glaube. Halten wir das Vorläufige für die Wahrheit und Wirklichkeit selbst, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Daher weist Jesus die Versuchungen, mit denen er konfrontiert wird, zurück. Er weiß, dass es nur Illusionen sind. Nur der Herr, dein Gott, alleine, so Jesus, ist keine Illusion. Aber selbst unser Bild von Gott ist nur vorläufig. Denn am Ende wird Jesus auch das genommen. Wir gehen in dieser Fastenzeit mit ihm den Weg ans Kreuz, wo er fragen wird: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?«</p>

<h4 id="iv">IV</h4>

<p>Was bleibt mir dann, wenn ich auf gar nichts mehr bauen kann? – »Steer your way«, sagt das Lied, »past the ruins, past the truth«. Es gibt also noch etwas jenseits der verloren gegangenen Sicherheiten, jenseits der entlarvten Illusionen. »Steer your way«, bleib nicht stehen, geh weiter. Es ist unvermeidlich, dass du enttäuscht wirst. Es ist unvermeidlich, dass dein Wissen dir fragwürdig wird, gerade dann, wenn du dich leidenschaftlich um Wissen bemühst. Es ist unvermeidlich, dass du in die Irre gehst, gerade dann, wenn du aufrichtig nach Wahrheit strebst. Es ist unvermeidlich, dass deine Zuneigung ins Leere läuft, dass du Schmerzen erleidest, dass du selbst schuldig wirst. Aber das alles ist kein Grund, stehen zu bleiben und deine Suche aufzugeben. »Steer your way«, suche nach der Liebe, die keine Worte mehr hat, nach der Wahrheit, die nicht ausgesprochen werden kann, nach dem Gott, der jedes Bild sprengt. Immer wenn du glaubst, du hättest das Letztgültige gefunden, weißt du, dass es nicht das Letzte ist. Aber du weißt auch: Solange du unterwegs bist, wird der unbekannte nahe Gott dich tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt, er wird dir seine Engel senden und er ist sogar schon an deiner Seite: in Jesus, der gekommen ist, um dir und allen anderen Menschen zu dienen.</p>

<hr>

<h3 id="steer-your-way">Steer your way</h3>

<blockquote><p>Steer your way past the ruins of the altar and the mall
Steer your way through fables of creation and the fall
Steer your way past the palaces that rise above the rot
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought</p>

<p>Steer your heart past the truth that you believed in yesterday
Such as fundamental goodness and the wisdom of the way
Steer your heart, precious heart, past the women whom you bought
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought
Steer you way through the pain that is far more real than you
That’s smashed the cosmic model, that blinded every view
And please don’t make me go there, though there be a God or not
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought</p>

<p>They whisper still, the injured stones
The blunted mountains weep
As he died to make men holy
Let us die to make things cheap
And the Mea Culpa, which you probably forgot
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought</p>

<p>Steer your way, O my heart, though I have no right to ask
To the one who was never, never equal to the task
Who knows he’s been convicted, who knows he will be shot
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought</p>

<p>They whisper still, the injured stones
The blunted mountains weep
As he died to make men holy
Let us die to make things cheap
And the Mea Culpa, which you gradually forgot
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought</p>

<p>© Leonard Cohen 2016, aus: You want it darker</p></blockquote>

<p><em>Bild © Brilliant Eye / Adobe Stock</em></p>

<div class="about-box">
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  <h4>«linkskatholisch«</h4>
  <p>Hier schreibt <em>Hermann Josef Eckl</em>, Seelsorger im Bezirksklinikum Mainkofen und Lehrbeauftragter am Department für Katholische Theologie der Universität Passau, über Spiritualität, Theologie und Seelsorge.</p>
</div>
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      <guid>https://linkskatholisch.de/steer-your-way</guid>
      <pubDate>Sun, 05 Mar 2017 17:00:00 +0000</pubDate>
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